{"id":241077,"date":"2022-03-08T12:51:17","date_gmt":"2022-03-08T12:51:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.warstoriesukraine.com\/?p=241077"},"modified":"2022-03-18T12:56:38","modified_gmt":"2022-03-18T12:56:38","slug":"man-kann-einfach-so-getoetet-werden-und-da-gibt-es-keinerlei-logik-li-biletska-27-cherson","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.warstoriesukraine.com\/de\/man-kann-einfach-so-getoetet-werden-und-da-gibt-es-keinerlei-logik-li-biletska-27-cherson\/","title":{"rendered":"\u201cMan kann einfach so get\u00f6tet werden, und da gibt es keinerlei Logik\u201d, Li Biletska, 27, Cherson"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ein paar Tage vor dem Krieg bezahlte 27-j\u00e4hrige Li Biletska aus Cherson zwei Weiterbildungskurse im Ausland \u2014 sie wollte Blogging und Fotografie lernen. Die Kurse laufen gerade, aber ohne sie, es ist jetzt keine Zeit f\u00fcr Weiterbildung. Sie h\u00e4lt sich gerade in Cherson auf \u2014 der Stadt, die vor\u00fcbergehend von den Russen okkupiert ist. Okkupiert bereits seit sieben Tagen. Jeden Tag nimmt Li an pro-ukrainischen Demonstrationen teil, denn sie kann nicht anders. Ihre 4-j\u00e4hrige Tochter l\u00e4sst sie zu Hause mit dem Mann. Oder er geht hin und Li bleibt zu Hause mit dem Kind. Sie gehen so vor, damit nur einer von ihnen das Risiko eingeht, sodass ihre Tochter nicht ohne Unterst\u00fctzung bleibt, falls etwas passiert.<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-weight: 400;\">\u201cDie erste Demonstration hat mit den Sch\u00fcssen in die Luft begonnen. Es hat sich herausgestellt, dass die Russen einen Demonstranten festnehmen wollten, er wurde aber von der ganzen Menschenmenge verteidigt. Ich glaube, dadurch unterscheiden wir uns von Russland \u2014 bei uns steht man mit Leib und Seele f\u00fcr den anderen ein und h\u00e4lt sich zusammen.\u201d<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">In den ersten Kriegstagen flog ein feindlicher Jagdbomber \u00fcber Lis Haus vorbei. \u201cIch und mein Mann haben ein lautes Ger\u00e4usch geh\u00f6rt und haben gedacht, das sei ein Beschuss, und instinktiv sind wir auf unsere Tochter gesprungen, damit es eine Chance g\u00e4be, sie irgendwie zu sch\u00fctzen. Es war grauenvoll\u201d, erinnert sie sich.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Das Haus, in dem Li mit ihrer Familie wohnt, befindet sich angeblich nicht in der unmittelbaren Kampfzone \u2014 die Kampfhandlungen finden haupts\u00e4chlich neben der Br\u00fccke und an der Stadteinfahrt statt. Dennoch erschossen die Invasoren gleich am ersten Tag auf den Stra\u00dfen einige Dutzend friedliche Menschen. Wo das n\u00e4chste Mal geschossen wird, wei\u00df niemand.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">\u201cIm <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Schlafbezirk <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">von Cherson hat ein russischer Panzer einfach so, zum Spa\u00df, auf ein Wohnhaus geschossen. Es ist erschreckend, denn man kann nicht f\u00fcr seine Sicherheit einstehen. Man kann einfach so get\u00f6tet werden, und da gibt es keinerlei Logik\u201d, erz\u00e4hlt Li.<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Medikamente und Lebensmittel werden in die Stadt auch nicht durchgelassen, also lebt Cherson nur von Vorr\u00e4ten. Einige L\u00e4den sind ge\u00f6ffnet, aber man muss stundenlang Schlange stehen und die Regale sind fast leer.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">\u201cMan stellt sich in der Schlange an, erst danach fragt man, was zu kaufen ist. Genauso wie in der UdSSR. Leute haben Getreide, Nudeln und das einfachste Essen im Vorrat, aber niemand wei\u00df, wie lange man durchhalten muss. Wir ern\u00e4hren uns sparsam, denn niemand wei\u00df, wann die Lebensmittel in Cherson ausgehen und wie lange das alles noch dauert\u201d, sagt Li.<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Lokale Einwohner wollen nicht nach Russland, deshalb veranstalten sie massenhaft pro-ukrainische Demonstrationen. Li meint, f\u00fcr Cherson ist das eine beispiellose Einigkeit in der Unterst\u00fctzung der Ukraine.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">\u201c2014 trafen sich h\u00f6chstens 100 Menschen auf dem Maidan. Und gestern nahmen an der pro-ukrainischen Kundgebung so viele Chersoner teil, dass man keinen \u00dcberblick hatte. Alle sind trotz Lebensgefahr rausgegangen, um zu sagen, dass sie Russland nicht brauchen. Niemand will die sogenannte \u201cBefreiung\u201d, die man uns aufzuzwingen versucht.\u201d<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Es ist jetzt unm\u00f6glich, Cherson zu verlassen \u2014 russische Truppen lassen friedliche Menschen nicht raus. Li sah in einem Video, wie ein Chersoner versuchte, seine Familie zu evakuieren, aber sein Auto wurde am Kontrollpunkt beschossen. Es besteht nur eine vage Hoffnung auf einen \u201cgr\u00fcnen Korridor\u201d, aber das ist auch riskant \u2014 in den anderen besetzten St\u00e4dten haben russische Truppen ihr Versprechen nicht eingehalten und haben angefangen, auf friedliche Menschen zu schie\u00dfen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Li hat Angst. Die Stadt zu verlassen ist wie ein Gl\u00fccksspiel. Wenn man kein Gl\u00fcck hat, ist der Preis viel zu hoch.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Ein paar Tage vor dem Krieg bezahlte 27-j\u00e4hrige Li Biletska aus Cherson zwei Weiterbildungskurse im Ausland \u2014 sie wollte Blogging und Fotografie lernen. Die Kurse laufen gerade, aber ohne sie, es ist jetzt keine Zeit f\u00fcr Weiterbildung. Sie h\u00e4lt sich gerade in Cherson auf \u2014 der Stadt, die vor\u00fcbergehend von den Russen okkupiert ist. 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