{"id":242056,"date":"2022-03-03T11:37:47","date_gmt":"2022-03-03T11:37:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.warstoriesukraine.com\/?p=242056"},"modified":"2022-03-20T14:17:44","modified_gmt":"2022-03-20T14:17:44","slug":"ich-kann-es-gut-nachvollziehen-was-es-bedeutet-unter-der-staatspropaganda-aufgewachsen-zu-sein-darja-aqtoebe-kasachstan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.warstoriesukraine.com\/de\/ich-kann-es-gut-nachvollziehen-was-es-bedeutet-unter-der-staatspropaganda-aufgewachsen-zu-sein-darja-aqtoebe-kasachstan\/","title":{"rendered":"\u201cIch kann es gut nachvollziehen, was es bedeutet, unter der Staatspropaganda aufgewachsen zu sein\u201d, Darja, Aqt\u00f6be (Kasachstan)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><em>Illustrated by Mari Kinovych<\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Darja, 25, kommt aus Aqt\u00f6be, der zweitgr\u00f6\u00dften Stadt Kasachstans. Sie studierte in Charkiw, wonach sie den Ukrainer Serhij heiratete und eine Wohnung in einem Charkiwer Neubau kaufte.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Darja wollte in der Stadt bleiben, auch als die ukrainischen Medien das erste Mal vom \u201cNotgep\u00e4ck\u201d berichteten und auch als am Donnerstag, dem 24. Februar, etwa um f\u00fcnf Uhr morgens die ersten Kriegsger\u00e4usche zu h\u00f6ren waren.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><i><span style=\"font-weight: 400;\">\u201cWir wollten nicht glauben, was passiert\u201d<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">, erz\u00e4hlt die junge Frau. <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">\u201cDaher hatten wir zuvor keine Angst und haben keine Versuche unternommen, die Stadt zu verlassen.\u201d<\/span><\/i><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Am f\u00fcnften Kriegstag, als die Besatzer die Wohnbezirke Charkiws beschossen hatten, erschrak das Paar zum ersten Mal richtig: <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">\u201cMein Ehemann mit Eltern haben begonnen, mich unter Druck zu setzen, nach Lwiw zu fahren, und von dort k\u00f6nnte ich als Staatsb\u00fcrgerin eines anderen Landes \u00fcber Polen nach Kasachstan kommen. Das Problem liegt aber darin, dass wenn du im Osten stecken geblieben bist, dir kaum jemand noch helfen kann.\u201d\u00a0<\/span><\/i><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Am S\u00fcdbahnhof in Charkiw, wo die junge Frau mit ihrem Ehemann drei Stunden vor der Abfahrt des Evakuierungszuges eingetroffen waren, herrschte Chaos. <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">\u201cAls wir auf dem Bahnsteig angekommen sind, waren die Waggons bereits komplett verstopft, die T\u00fcren waren geschlossen, und auf dem Bahnsteig hat eine Menschenmenge gewartet, f\u00fcr die es keinen Platz mehr im Zug gab.\u201d<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> Sie mussten auf den n\u00e4chsten warten. Aber als sie eingestiegen war und gesehen hatte, dass es keine Sitzpl\u00e4tze mehr gegeben hatte, und der ganze Gang des Abteilwagens voll von Menschen gewesen war, sprang Darja sofort aus dem Zug:<\/span><i> <\/i><\/p>\n<blockquote><p><i><span style=\"font-weight: 400;\">\u201cIch hatte vor allem Angst: vor der Menschenmenge, ohne Serjoscha<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> (so nennt die Frau liebevoll ihren Ehemann) <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">zu sein, beim Fenster ohne jeglichen Schutz zu stehen, welches auch irgendeine Bombe treffen k\u00f6nnte. Ich bin ausgestiegen und habe begonnen zu weinen. Wahrscheinlich war das eine Panikattacke.\u201d<\/span><\/i><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Noch gr\u00f6\u00dfere Angst hatte Darja, mit dem Auto zu fahren. Auf den Wegen, die nach Charkiw f\u00fchren, wird gek\u00e4mpft. Beim Fahren kann man unter Beschuss geraten &#8211; sowohl auf dem Boden als auch aus der Luft. In dieser Pattsituation f\u00fchren viele Charkiwer den Online-Kampf, indem sie Kommentare schreiben und mit den Russen streitend ihnen etwas beweisen.\u00a0 Auch Darja l\u00e4sst ihr Handy nicht los, doch als Tochter des autorit\u00e4ren Kasachstans erwartet sie keine ernsten Proteste in Russland. \u201cIch wei\u00df, dass unser Pr\u00e4sident mit gro\u00dfem Widerstand in Russland rechnet. Aber ich kann es gut nachvollziehen, was es bedeutet, unter der Staatspropaganda aufgewachsen zu sein. Daher finde ich, dass nur wenige auf die Stra\u00dfe gehen werden. Erstens, weil sie Angst haben, in den Knast zu geraten. Zweitens wegen der Mentalit\u00e4t.\u201d<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Derzeit ruft Darja alle Ukrainer auf, den Kopf nicht h\u00e4ngen zu lassen und an die Zukunft zu glauben. Denn sie ist \u00fcberzeugt: Die Ukraine hat sie sicher.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Darja bittet uns, ihre Geschichte ohne den Nachnamen und ohne Foto zu ver\u00f6ffentlichen &#8211; sie f\u00fcrchtet nach der R\u00fcckkehr nach Kasachstan in Gefahr zu geraten.\u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Illustrated by Mari Kinovych Darja, 25, kommt aus Aqt\u00f6be, der zweitgr\u00f6\u00dften Stadt Kasachstans. Sie studierte in Charkiw, wonach sie den Ukrainer Serhij heiratete und eine Wohnung in einem Charkiwer Neubau kaufte.\u00a0 Darja wollte in der Stadt bleiben, auch als die ukrainischen Medien das erste Mal vom \u201cNotgep\u00e4ck\u201d berichteten und auch als am Donnerstag, dem 24. 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