{"id":242555,"date":"2022-03-04T21:07:44","date_gmt":"2022-03-04T21:07:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.warstoriesukraine.com\/ya-boyusya-vtratiti-blizkih-i-druziv-boyusya-shho-zakinchitsya-voda-ta-%d1%97zha-katerina-26-rokiv-berdyansk\/"},"modified":"2022-03-22T13:54:18","modified_gmt":"2022-03-22T13:54:18","slug":"ya-boyusya-vtratiti-blizkih-i-druziv-boyusya-shho-zakinchitsya-voda-ta-izha-katerina-26-rokiv-berdyansk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.warstoriesukraine.com\/de\/ya-boyusya-vtratiti-blizkih-i-druziv-boyusya-shho-zakinchitsya-voda-ta-izha-katerina-26-rokiv-berdyansk\/","title":{"rendered":"\u201cIch habe Angst, dass ich meine Verwandten und Freunde in anderen St\u00e4dten verlieren k\u00f6nnte. Ich habe Angst, dass die Lebensmittel und das Wasser ausgehen werden\u201d, Kateryna, 26, Berdjansk"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><i><span style=\"font-weight: 400;\">Illustrated by Liubov Miau<\/span><\/i><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Kateryna ist 26, arbeitet als Analystin bei einem IT-Unternehmen und als \u00d6koaktivistin. In letzter Zeit hat Kateryna in Lwiw gelebt, aber einige Tage vor Beginn der gro\u00df angelegten Offensive der russischen Truppen hat sie ihre Familie in ihrer Heimatstadt Berdjansk besucht. Nun ist diese Stadt im S\u00fcden der Ukraine von der russischen Armee besetzt. Kateryna sitzt dort mit ihrer Mutter, ihrem minderj\u00e4hrigen Bruder und ihren Gro\u00dfeltern fest.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">&#8222;Es gab eine Vorahnung, dass etwas Schlimmes passieren w\u00fcrde, aber ich dachte nicht, dass die russische Armee so massiv in der Ukraine schie\u00dfen w\u00fcrde. Ich dachte, vielleicht w\u00fcrden meine Familie und ich genug Zeit haben, um mit dem Bus nach Saporischschja zu fahren. Dies geschah jedoch nicht wie erwartet, da die Offensive von verschiedenen Seiten begann. Selbst als die Busse noch fuhren, war es be\u00e4ngstigend, dass wir unter Beschuss gerieten&#8220;.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Wenige Tage nach Beginn dieses Krieges wurde die Stadt Berdjansk besetzt. Freunde schrieben, dass die Besatzer in die Wohnviertel gingen, in die Luft schossen und dass sie einer Frau in der Stra\u00dfe ihre Tasche voller Lebensmittel wegnahmen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Bewohner von Berdjansk begannen, auf den Hauptplatz hinauszugehen und zu protestieren. Auch Kateryna und ihre Mutter gingen hinaus. Neben den russischen Panzern sangen sie die Hymne der Ukraine.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">&#8222;Da waren meistens Leute im Alter 45-50 Jahren und haupts\u00e4chlich Frauen, weil M\u00e4nner nicht daran teilnehmen durften. Jetzt haben wir Angst, sie rauszulassen. Meine Mutter hat meinem Bruder auch nicht erlaubt, rauszugehen&#8220;, sagte Kateryna. &#8211; Es waren auch viele von meinen Lehrern dabei. Im normalen Leben beteiligen sie sich nicht an sozialen Aktivit\u00e4ten, sie leben und arbeiten, aber jetzt sind sie ausgegangen, um daran teilzunehmen\u201d.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Kateryna wollte die Reifen der russischen Milit\u00e4rfahrzeuge aufschlitzen, aber die Nachbarn baten, dies nicht zu tun, weil sie Angst hatten, dass die Russen mit Sch\u00fcssen reagieren k\u00f6nnten. Die Versammlung war also friedlich. Russland feuerte daraufhin eine Rakete auf den Hafen von Berdjansk ab. Kateryna nehme an, dass man die Menschen auf diese Weise einsch\u00fcchtern wollte. Die Versammlung ging jedoch weiter, bis aus dem Geb\u00e4ude des Stadtrats die Besetzer mit Sturmgewehren herauskamen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Einwohner der Stadt, so erinner\u0443 sie sich, versuchten, mit der russischen Armee zu sprechen. Sie waren ehrlich gesagt \u00fcberrascht. Sie sagten uns: &#8222;Wir sind gekommen, um euch zu besch\u00fctzen und zu retten.&#8220; &#8222;Aber bis jetzt&#8220;, so Kateryna, &#8222;haben sie uns von Wasser und Internet gerettet&#8220;.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Als die russischen Soldaten in die Stadt einmarschierten, besch\u00e4digten sie Wasserleitung und verletzten einen Mitarbeiter des Wasserversorgens, der diese reparieren wollte. Sie schossen auf die Internetkabel, so dass fast niemand in der Stadt Internet hat. Die mobile Kommunikation in Berdjansk ist ebenfalls instabil.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Das Team der Stadtverwaltung erkl\u00e4rte, es gebe keine offizielle Zusammenarbeit mit den Besetzern und die Situation sei unter Kontrolle &#8211; die Leitungen werden repariert, Trinkwasser wird in die Stadtteile transportiert, am Stadtrand ist das Licht ausgegangen und es wird auch versucht, es wiederherzustellen. Die Gesch\u00e4fte sind einen halben Tag lang ge\u00f6ffnet.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">&#8222;Ich habe Angst, dass ich meine Verwandten und Freunde in anderen St\u00e4dten verlieren k\u00f6nnte, vor allem in St\u00e4dten, die unter schweren Bombenangriffen stehen. Vielleicht wird es eine Belagerung geben, und die Lebensmittel und das Wasser werden ausgehen &#8211; davor habe ich Angst. Ich habe Angst vor den K\u00e4mpfen in der N\u00e4he von Mariupol, weil ich wei\u00df, dass sich dort viele russische Fahrzeuge befinden. Zus\u00e4tzlich kommt ihnen Verst\u00e4rkung aus Berdjansk entgegen. Ich habe Angst vor den gro\u00dfen Verlusten. Jeder einzelne unserer Verluste ist sehr, sehr schmerzhaft&#8220;.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Als die Sirenen ert\u00f6nen, sitzt Katerynas Familie im Flur. Sie haben keinen Keller. Der n\u00e4chste Luftschutzbunker ist f\u00fcnf Minuten zu Fu\u00df entfernt. Er ist jedoch nur f\u00fcr eine kleine Anzahl von Personen ausgelegt. Au\u00dferdem ist es bei Bombenangriffen gef\u00e4hrlich, offene Stra\u00dfe entlang zu gehen.<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-weight: 400;\">&#8222;Der Krieg wird allt\u00e4glich. Und das ist es, wovor man Angst hat. In den ersten Tagen wurden wir st\u00e4ndig von den Explosionen ersch\u00fcttert und jetzt &#8211; Na ja, es ist explodiert und dann? Ich gehe vom Fenster weg. Ich will nicht, dass wir uns daran gew\u00f6hnen. Ich tr\u00e4ume davon, dass es wieder so wie fr\u00fcher wird &#8211; mit unserem Donbass, unserer Krim, ohne Krieg, ohne Russland. Damit wir selbst f\u00fcr unsere Zukunft verantwortlich sind. Ich m\u00f6chte nicht daran denken, dass wir, wenn wir rausgehen, vielleicht nie wieder zur\u00fcckkommen. Ich m\u00f6chte meine Freunde sehen. Ich will ein normales Leben f\u00fchren. Ich m\u00f6chte mein Leben einen Monat im Voraus planen. Mindestens einen Tag im Voraus&#8220;.<\/span><\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Illustrated by Liubov Miau Kateryna ist 26, arbeitet als Analystin bei einem IT-Unternehmen und als \u00d6koaktivistin. In letzter Zeit hat Kateryna in Lwiw gelebt, aber einige Tage vor Beginn der gro\u00df angelegten Offensive der russischen Truppen hat sie ihre Familie in ihrer Heimatstadt Berdjansk besucht. 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