{"id":243024,"date":"2022-03-18T14:25:10","date_gmt":"2022-03-18T14:25:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.warstoriesukraine.com\/any-trip-may-turn-into-a-one-way-trip-but-my-cancer-will-kill-me-anyway-olexandr-drimanov-46-kryvyi-rih\/"},"modified":"2022-03-27T14:54:59","modified_gmt":"2022-03-27T14:54:59","slug":"any-trip-may-turn-into-a-one-way-trip-but-my-cancer-will-kill-me-anyway-olexandr-drimanov-46-kryvyi-rih","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.warstoriesukraine.com\/de\/any-trip-may-turn-into-a-one-way-trip-but-my-cancer-will-kill-me-anyway-olexandr-drimanov-46-kryvyi-rih\/","title":{"rendered":"\u201eJeder Weg kann ein Weg in eine Richtung sein. Aber ich habe Krebs &#8211; und sterbe sowieso\u201c, Oleksandr Drimanow, 46  Jahre, Krywyj Rih"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Illustrated by Liubov Miau\u00a0<\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Der 46-j\u00e4hrige Oleksandr Drimanow aus Krywyj Rih hatte alle formalen Gr\u00fcnde, sich nicht am Krieg zu beteiligen, den Russland gegen die Ukraine f\u00fchrt. Vor zwei Jahren wurde bei ihm Lungenkrebs diagnostiziert, und seitdem hatte er 40 Chemotherapien und weder bei dem Kriegskommissariat <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">noch<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"> bei der <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">territorialen Verteidigung wurde sein Milit\u00e4rdienst bejaht. Au\u00dferdem hat der Mann einen zw\u00f6lfj\u00e4hrigen Sohn.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">\u201eEs wurde mir vorgeschlagen, Sch\u00fctzengr\u00e4ben zu graben\u00a0 &#8211;\u00a0 zweimal graben und ich falle mit der Schaufel um. Ich habe gedacht, dass es leichter w\u00e4re, <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Molotowcocktails herzustellen, aber da waren Abgase &#8211; ich musste husten, fast ersticken. So wurde ich \u201cgek\u00fcndigt\u201d.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Schlie\u00dflich sah er eine Anzeige, dass Freiwillige einen Fahrer suchen. Vor der Krankheit arbeitete Oleksandr als Stadtbusfahrer, danach als Fernfahrer. Deswegen meldete er sich. Vor Ort wurde es ihm erkl\u00e4rt: Man soll dem Milit\u00e4r humanit\u00e4re Hilfe bringen, das in der N\u00e4he einer besetzten Stadt im S\u00fcden der Ukraine steht.\u00a0<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-weight: 400;\">\u201cEine Freiwillige hat gefragt, ob ich mir dessen bewusst bin, dass es ein Weg in eine Richtung sein kann. Ich habe gesagt: Ich verstehe, weil ich nichts zu verlieren habe &#8211;\u00a0 ich bin an Krebs erkrankt und werde sowieso sterben\u201d, erinnert sich Oleksandr. \u201cDie Freiwillige hat selbstverst\u00e4ndlich begonnen zu weinen.\u201d <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Der Mann lud Medikamente in sein altes rotes Auto und bat die Nachbarn, sich um seinen Sohn zu k\u00fcmmern, wenn er nicht zur\u00fcckkommen w\u00fcrde, und fuhr los.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Als er am ersten Kontrollpunkt vorbeifuhr, wurde es ihm klar, dass es weder Begleitung, noch einen Korridor, noch Verbindung geben w\u00fcrde. Nach dem letzten ukrainischen Kontrollpunkt verl\u00e4uft nur eine verschneite Stra\u00dfe.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">\u201eIch fahre und beruhige mich: wie sch\u00f6n! Und verstehe gleichzeitig, dass es einfach krass ist\u201d, sagt Oleksandr. Aber ans Umkehren dachte er nicht. An einer Kreuzung stand er vor der Wahl: entweder weiter ins Dorf oder einen Umweg zu fahren. Er entschied sich f\u00fcr den Umweg. Auf dem Weg stie\u00df er auf eine Tankstelle, wo Autos standen, Leute Kaffee tranken\u00a0 und es kein Milit\u00e4r gab. Er fuhr weiter.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">In 1,5 km sprangen drei M\u00e4nner in gefleckter russischer Uniform auf die Stra\u00dfe und begannen zu schie\u00dfen. Dann wendete Oleksandr und fuhr so schnell wie m\u00f6glich in die entgegengesetzte Richtung. \u201eSo viel mir die Szene im Kopf herumgeht, so viel denke ich: Wenn sie mich umbringen wollten, h\u00e4tten sie das getan. Aber so haben sie mich nur gewarnt, dass man nicht weiterfahren darf,\u201d\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Erst als er zur Tankstelle zur\u00fcckkam, bemerkte er Einschussl\u00f6cher an anderen Autos. Die M\u00e4nner, die da sa\u00dfen, waren lokale J\u00e4ger: Sie verteidigten das Gebiet und stahlen ab und zu russische Technik.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Schlie\u00dflich erreichte Oleksandr sein Reiseziel und \u00fcbergab das wertvolle Gep\u00e4ck. Vom erlebten Stress begann er ein bisschen zu stottern, setzte aber fort, dem Milit\u00e4r humanit\u00e4re Hilfe zu bringen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">\u201eUnd was w\u00fcrden Sie an meiner Stelle tun? Wenn man zu Ihnen mit Waffen kommen w\u00fcrde, wenn Sie umgebracht, beraubt, erniedrigt werden k\u00f6nnten\u201d, sagt Oleksandr. \u201cMein Sohn will mich nicht gehen lassen. Ich bem\u00fche mich immer wegzufahren, wenn er noch schl\u00e4ft. Ich mache mir Sorgen um ihn, um ihn habe ich Angst.\u201d\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Nach dem Krieg tr\u00e4umt Oleksandr zu genesen, zur Arbeit zu gehen, Geld f\u00fcrs neue Auto zu sparen und von niemandem abh\u00e4ngig zu sein. Jetzt erh\u00e4lt er 1934 (ungef\u00e4hr 65 Dollar) Hrywnja Hilfe monatlich f\u00fcr den zweiten Behinderungsgrad. Ein bisschen jobbt er. Behandelt zu werden helfen ihm die Angeh\u00f6rigen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">\u201eIch denke, wir werden siegen. Auch wenn man krank, krumm oder schief ist, muss\u00a0 man jegliche Hilfe leisten. Man darf sich nicht verstecken\u201d, sagt Oleksandr.\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Illustrated by Liubov Miau\u00a0 Der 46-j\u00e4hrige Oleksandr Drimanow aus Krywyj Rih hatte alle formalen Gr\u00fcnde, sich nicht am Krieg zu beteiligen, den Russland gegen die Ukraine f\u00fchrt. 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