{"id":243336,"date":"2022-03-16T07:12:46","date_gmt":"2022-03-16T07:12:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.warstoriesukraine.com\/?p=243336"},"modified":"2022-04-02T08:48:19","modified_gmt":"2022-04-02T08:48:19","slug":"verletzte-oma-ist-sie-denn-ein-nazi-eine-bandera-anhaengerin-so-geht-es-nicht-olexij-boschko-25-jahre-alt-charkiw","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.warstoriesukraine.com\/de\/verletzte-oma-ist-sie-denn-ein-nazi-eine-bandera-anhaengerin-so-geht-es-nicht-olexij-boschko-25-jahre-alt-charkiw\/","title":{"rendered":"\u201cVerletzte Oma &#8211; ist sie denn ein Nazi, eine Bandera-Anh\u00e4ngerin? So geht es nicht\u201d, Olexij Boschko, 25 Jahre alt, Charkiw"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><em>Illustrated by <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/galochka_ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Galochka Ch<\/a><\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">\u201c<\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Am ers<\/span><\/i><i><span style=\"font-weight: 400;\">ten Abend wurde eine Frau eingeliefert, die durch eine Splitterverletzung ein Auge verloren hatte.Sie war bei Bewusstsein, hat mit uns gesprochen, hatte Schmerzen\u201d,<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> erinnert sich Olexij Boschko an seine w\u00e4hrend der Kriegszeit erste Dienstschicht auf der chirurgischen Station des Regionalkrankenhauses in Charkiw. Dabei lernte der 25-j\u00e4hrige Doktorand der pathologischen Physiologie aufgrund des Krieges, den Opfern von Explosionen und Abst\u00fcrzen Hilfe zu leisten.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Das medizinische Personal lebt mehr oder weniger im Krankenhaus. In den Fluren zu schlafen ist sicherer, als unter Beschuss nach Hause zu fahren. Eigentlich ist der Korridor<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">zu einem der meistbesuchten Orte geworden: Bei einem Luftangriff wird er von \u00c4rzten und Patienten als Schutzraum genutzt. Es ist leider unm\u00f6glich, alle Menschen in einem neunst\u00f6ckigen Geb\u00e4ude in den Keller zu bringen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ich freundete mich mit Olexij bereits in der Schulzeit an, im Jahre 2013, beim Turnier junger Historiker. Etwas sp\u00e4ter, im st\u00fcrmischen Jahr 2014 trafen wir uns manchmal auf einen Kaffee und sprachen stundenlang \u00fcber die Geschichte des zweiten Weltkrieges und dar\u00fcber, wie sehr Handlungen und Propaganda des damaligen Russland dem damaligen Nazideutschland \u00e4hnelten. Jetzt hat Olexij keine Zeit f\u00fcr Diskussionen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ein Teil des medizinischen Personals verlie\u00df Charkiw bei Ausbruch des Krieges.\u201dEs gibt\u00a0 Leute, die in ihrem erzwungenen Exil helfen. Aber ich verstehe auch, dass ich hier viel mehr Gutes tun kann\u201d, erkl\u00e4rt Olexij seinen Standpunkt. Im Krankenhaus f\u00fchrt er nun Routineuntersuchungen durch, leist\u0435t erste Hilfe, bietet nach M\u00f6glichkeit kostenlose Online-Beratungen an und sortiert die Medikamente, die die Freiwilligen mitbringen.<\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-242737\" src=\"https:\/\/www.warstoriesukraine.com\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/img_9756-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Russische Truppen beschie\u00dfen Charkiv ununterbrochen. Alles h\u00e4ngt jetzt von der koordinierten Arbeit von Freiwilligen und \u00c4rzten ab.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">\u201c<\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Wir erhalten st\u00e4ndig humanit\u00e4re Hilfe, sowohl aus anderen St\u00e4dten der Ukraine, als auch aus dem Ausland!\u201d, sagt Olexij. \u201cEs kommen nicht nur Medikamente und Hilfsg\u00fcter, sondern auch Lebensmittel f\u00fcr Patienten und Personal. Nicht immer ist es eine koordinierte Hilfe. Manchmal ist klar: Ein Deutscher, Pole oder Tscheche ging in eine Apotheke, kaufte alles, was er konnte, auf und schickte es uns. Ohne die Freiwilligen w\u00e4re es sehr schlimm\u201d.<\/span><\/i><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ein Teil des Essens wird im Krankenhaus gekocht, etwa die H\u00e4lfte stammt aus den K\u00fcchen der \u00f6rtlichen Restaurants und Cafes.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Der Arzt hofft, dass er nach dem Krieg mit den Menschen, die ihm am n\u00e4chsten stehen, Schulter an Schulter durch sein geliebtes Charkiw bummeln wird. Auch will er einen Dankesbrief an alle Organisationen, Firmen, Freiwilligen und das Milit\u00e4r schreiben und mit seiner Familie in die Pizzeria \u201cTi Amo\u201d im Schewtschenko-Garten gehen, \u201c<\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">wenn sie nat\u00fcrlich noch nicht zerst\u00f6rt ist\u201d.<\/span><\/i><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Jetzt aber k\u00fcmmert er sich um die Verwundeten. Er sagt, dass zuf\u00e4llige Verletzungen von Zivilisten ihn am meisten schockieren w\u00fcrden: \u201dDie Oma, die mit einer Verletzung zu uns gebracht wurde &#8211; ist sie denn ein Nazi, eine Banderiwka? <\/span><b>[<\/b><span style=\"font-weight: 400;\">A. d. \u00dc.: als \u201cBanderiwka\u201d bezeichnet man eine Anh\u00e4ngerin des ukrainischen Nationalisten Stepan Bandera]. Vielleicht sei sie ein wichtiger milit\u00e4rischer Zielpunkt? Solche Patienten werden f\u00fcr den Rest ihres Lebens behindert sein. So etwas sollte nicht passieren\u201d.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Er spricht \u00fcber die Wut und \u201cden heiligen Krieg f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit\u201d, und ich denke schon daran, ihn nach dem Sieg zu einem Gespr\u00e4ch \u00fcber den zweiten Weltkrieg einzuladen. Ich werde mir auch seine Witze anh\u00f6ren. Denn: \u201dSchwarzer Humor hat sich f\u00fcr immer in den Fluren des Krankenhauses festgesetzt\u201d, so sagt er. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Illustrated by Galochka Ch \u201cAm ersten Abend wurde eine Frau eingeliefert, die durch eine Splitterverletzung ein Auge verloren hatte.Sie war bei Bewusstsein, hat mit uns gesprochen, hatte Schmerzen\u201d, erinnert sich Olexij Boschko an seine w\u00e4hrend der Kriegszeit erste Dienstschicht auf der chirurgischen Station des Regionalkrankenhauses in Charkiw. 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