{"id":243508,"date":"2022-03-06T14:24:00","date_gmt":"2022-03-06T14:24:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.warstoriesukraine.com\/?p=243508"},"modified":"2022-04-02T14:33:07","modified_gmt":"2022-04-02T14:33:07","slug":"iryna-charkiw-lwiw","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.warstoriesukraine.com\/de\/iryna-charkiw-lwiw\/","title":{"rendered":"\u201cLuftangriffe passieren derart schnell, dass es keine Sirenen (Fliegeralarm) gibt\u201d. Iryna (Charkiw-Lwiw)"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Illustrated by Galochka Ch<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Iryna und ihr 8-j\u00e4hriger Sohn Illia sind aus Charkiw. In den friedlichen Zeiten hatte Iryna ein Gesch\u00e4ft, eine Wohnung und ein Auto. Sie hat bis zur letzten Minute nicht geglaubt, dass der Krieg ausbrechen kann, und ihre Stadt von Raketen beschossen wird.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">\u201eAls die Sch\u00fcsse begannen, dachte ich mir, dass die Russen uns Angst machen wollten, damit wir ihre politischen Bedingungen annehmen. Aber wenn die Kampfflugzeuge \u00fcberall fliegen, wenn die Raketen \u00fcberall abgefeuert werden\u2026 Manchmal treffen sie staatliche Einrichtungen, manchmal Wohnh\u00e4user\u201c, &#8211; erz\u00e4hlt Iryna.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Am Anfang hat sich die Frau mit ihrem Sohn die ganze Zeit im Keller versteckt. Manchmal waren sie schon m\u00fcde vom hoch und runter laufen, und sa\u00dfen einfach vor dem Fahrstuhl. Iryna wohnte im Stadtviertel Oleksijivka. Ihr Haus war unter Beschuss, deshalb ist ihre Familie zu den Verwandten ins Stadtzentrum umgezogen. Die Sch\u00fcsse im Stadtzentrum haben sofort danach begonnen. In der Stadt begannen die Probleme mit der Lebensmittelversorgung.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">\u201eEs wird immer schlimmer, man wei\u00df nicht, was morgen kommt. Die humanit\u00e4re Lage ist schrecklich, die Sch\u00fcsse werden st\u00e4rker, &#8211; sagt Ira. &#8211; In den letzten Tagen kreisten die milit\u00e4rischen Flugzeuge \u00fcber unserem Hochhaus. Das Rumpeln ist derart gewaltig, dass das Haus vibriert. Auch im Radius von einem Kilometer.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Laut Iryna rechnen viele Leute damit, dass die ersten Stockwerke der 8-st\u00f6ckigen Hochh\u00e4user heil bleiben. Deswegen gehen sie nicht in den Keller. Wiederum haben andere Angst in den Keller zu gehen, damit sie nicht lebendig dort begraben werden. Da, wo die Raketen getroffen haben, seien drei bis vier der oberen Etagen zerst\u00f6rt worden. Iryna wohnte im achten Stock, deswegen ist sei in den Keller gegangen.<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-weight: 400;\">\u201eLuftangriffe passieren derart schnell, dass es keine Sirenen (Fliegeralarm) gibt. Man h\u00f6rt blo\u00df etwas summendes, explodierendes, aber im Moment, wenn man es wahrnimmt, ist es schon zu sp\u00e4t. Deshalb verbrachten wir die letzte Nacht im Keller\u201c.<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Frau rechnete damit, dass sie diese Zeit im Keller \u00fcbersteht. Aber dazu kommt auch, dass die Kommunikation abgeschnitten wurde. Kein Brot konnte angeliefert werden. Irgendwo sei die Heizung kaputt gegangen. Man konnte nicht mehr in der Stadt bleiben, aber man konnte auch nirgendwohin fahren. Iryna wusste nicht, ob ein anderer Ort sicher ist. Da, wo sie sich morgen mit ihrem Sohn befindet w\u00fcrde.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Am siebten Tag des Krieges haben sie die Entscheidung getroffen, ihre Stadt zu verlassen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Das schwierigste war zum Bahnhof zu fahren. Iryna hatte Gl\u00fcck gehabt, dass ihr Nachbar sie mit ihrem Sohn dahin gefahren hat. Viele ihrer Bekannten sind zu Fu\u00df hingegangen, sie trugen ihre eigene Habseligkeiten. \u201eDie Menschen gingen die Stra\u00dfen entlang, kein Auto stoppte, weil alle Autos \u00fcberf\u00fcllt waren\u201d &#8211; erinnert sich die Frau.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Am Bahnhof haben sie einfach gewartet, bis sie in den Zug steigen k\u00f6nnen. Es gab viele Familien mit Kindern, die Leute sa\u00dfen \u00fcberall im Waggon, wo es nur m\u00f6glich war. Iryna ist mit ihrem Sohn in einen Evakuierungszug gestiegen, der in Richtung Westukraine fuhr. F\u00fcr die beiden war es gleich, wo sie sein werden: in Lwiw, Rachiw, Uschgorod oder Ternopil.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Zur Zeit wohnt Iryna in einem von Volont\u00e4ren organisierten Zufluchtsort in einem Lwiwer Sportklub. Die Adresse hat sie \u00fcber die soziale Netzwerke gefunden. Nach alldem was sie erlebt hat, versucht sie wieder zu sich zu kommen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">\u201eIch sitze, und ich erschrecke, wenn die T\u00fcren klappern, &#8211; teilt die Frau uns mit. &#8211; Ich verstehe, dass hier jetzt keine Gefahr besteht, aber den Instinkt in den Keller zu rennen habe ich immer noch. Ich habe Angst, dass die russischen Soldaten schon vor Ort sind\u201c.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Iryna\u2018s alte Gro\u00dfmutter, die die Stadt nicht verlassen wollte, und ihre Katze, die Iryna\u2018s Sohn sehr vermisst, sind in Charkiw geblieben. Bis heute wollen viele Familien mit Kindern ihr eigenes Zuhause nicht verlassen, sie haben Angst vor der Ungewissheit. Sie hoffen darauf, dass sie die Bombardierungen im Keller \u00fcberleben. Die Nerven liegen blank bei denjenigen, die nicht weg wollen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Aktuell ist es praktisch unm\u00f6glich, zum Bahnhof in Charkiw zu gelangen. Taxis fahren nur zu den h\u00f6chsten Tarifen, eine Taxifahrt kann bis zu 1.500 UAH kosten. Viele Taxifahrer wollen nicht fahren, man kann auf ein Taxi den ganzen Tag warten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ein Bekannter von Iryna wollte mit dem eigenen Auto wegfahren, aber sein PKW ist ausgebrannt. Auch wenn man ein Auto besitzt, gibt es vor Ort kein Benzin.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">\u201eIch habe \u00fcberhaupt keinen Plan. Wir sind ohne Sachen weggefahren &#8211; schnell waren wir fluchtfertig. Im Zufluchtsort habe ich die Sachen f\u00fcr meinen Sohn rausgesucht &#8211; f\u00fcr das warme und kalte Wetter. Erst im Zug ist mir aufgefallen, dass wir den Papagei in der Wohnung vergessen haben, &#8211; sagt Iryna. &#8211; Ich dachte nicht, dass ich fliehen werde. Niemals h\u00e4tte das gedacht.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Illustrated by Galochka Ch &nbsp; Iryna und ihr 8-j\u00e4hriger Sohn Illia sind aus Charkiw. In den friedlichen Zeiten hatte Iryna ein Gesch\u00e4ft, eine Wohnung und ein Auto. 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