{"id":243908,"date":"2022-03-21T15:45:42","date_gmt":"2022-03-21T15:45:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.warstoriesukraine.com\/?p=243908"},"modified":"2022-04-08T13:27:30","modified_gmt":"2022-04-08T13:27:30","slug":"kateryna-radyk-21","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.warstoriesukraine.com\/de\/kateryna-radyk-21\/","title":{"rendered":"\u201cUnsere Wohnung in Mariupol wurde von einem Geschoss getroffen. Ob da unsere Gro\u00dfmutter w\u00e4hrend der Attacke war, ist unbekannt. Es gibt keine Verbindung mit unseren Angeh\u00f6rigen seit zwei Wochen\u201d, so Kateryna Radyk, 21 Jahre, Kulturologin, Mariupol \u2013 Kyjiw"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">\u201cDass unsere Wohnung beschossen wurde und sie ausgebrannt ist, habe ich zuf\u00e4llig aus den Sozialen Netzwerken erfahren. In der Wohnung h\u00e4tte meine Gro\u00dfmutter sein k\u00f6nnen. Wir haben sie gebeten, ins Versteck zu gehen, aber es ist ungewiss, ob sie da im Moment des Angriffs war. Es gibt keine Verbindung mit Angeh\u00f6rigen seit zwei Wochen\u201d, erz\u00e4hlt die 21-j\u00e4hrige Kateryna Radyk.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Im umzingelten und zerbombten Mariupol hat sie zwei Gro\u00dfm\u00fctter, einen Gro\u00dfvater, den Onkel mit seiner jungen Familie, viele Freunde und die beste Freundin, die sich noch im Februar auf die Hochzeit vorbereitete.\u00a0<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-weight: 400;\">\u201cGerade vor dem Krieg haben wir mit ihr die Tickets nach Italien gew\u00e4hlt, um dort im M\u00e4rz die Hochzeit zu feiern.\u00a0 Ob die Freundin noch am Leben ist, wei\u00df ich nicht. Sie hat in der Nachbarschaft gewohnt und bis zum letzten Moment meine Angeh\u00f6rigen unter Beschuss besucht.\u00a0 Von den Fotos aus dem Internet habe ich erfahren, dass es in ihrem Hof jetzt einen gro\u00dfen Krater von einer Explosion gibt, und die Verbindung mit der Freundin ist unterbrochen.\u201d\u00a0<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Katja selbst hat die letzten Jahre in Kyjiw gewohnt und Kulturologie studiert und im Kulturbereich gearbeitet.\u00a0 An den ersten Kriegstagen hatte sie vor, nach Mariupol zu fahren, und glaubte, dort sei es sicherer, da die Stadt bereits gelernt hatte, unter den Bedingungen m\u00f6glicher Besch\u00fcsse zu leben. Aber dann ist der Strom in der Stadt verschwunden, und Kateryna verlor die Verbindung mit ihren Angeh\u00f6rigen. Ab und zu rief sie nur die Freundin an.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">\u201cSie hat meine Gro\u00dfm\u00fctter und meinen Gro\u00dfvater besucht, ungeachtet dessen, dass das Nachbarhaus gegen\u00fcber schon gebrannt hat. Vor ihren Augen wurde es von einem Geschoss getroffen. Die Leute in Mariupol haben sich bereits an den Krieg gew\u00f6hnt und hatten keine gro\u00dfe Angst vor Besch\u00fcssen, so wie in den anderen Regionen der Ukraine. Deswegen wollte die Mehrheit der Bewohner Mariupols die Stadt bis zum Letzten nicht verlassen oder ins Versteck runtergehen. Vielleicht ist es eine Art posttraumatische St\u00f6rung &#8211; ged\u00e4mpftes Gef\u00fchl von Selbsterhaltung. Aus diesem Grund haben meine Angeh\u00f6rigen die Stadt nicht verlassen, als es noch m\u00f6glich war\u201d, sagt Kateryna.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Innerhalb einer kurzen Zeit gab es noch schwache Verbindung neben dem ehemaligen B\u00fcro eines Mobilfunkanbieters. Dorthin kamen Menschen aus der ganzen Stadt, um eine kurze SMS zu schicken: \u201cIch bin am Leben\u201d oder \u201cUnser Haus ist in Ordnung.\u201d Doch dorthin zu fahren war sehr riskant &#8211; die Stadt wurde alle 30-40 Minuten beschossen, deshalb konnte man unterwegs get\u00f6tet werden. Dann verschwand auch diese M\u00f6glichkeit.\u00a0\u00a0<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-weight: 400;\">\u201cWas mir bekannt ist, trinken die Menschen in Mariupol das Wasser jetzt von W\u00e4rmeleitungen und geschmolzenem Schnee. Die gro\u00dfe Frage ist, was sie essen, da Lebensmittel schon lange aus sind und kein einziger Laden arbeitet.\u201d<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Zusammen mit ihren Eltern und ihrem j\u00fcngeren Bruder wohnte sie im Versteck unter der Nachbarschule in Kyjiw. Zum letzten Tropfen wurde der Moment, als die gemietete Wohnung von Schmugglern betroffen wurde.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">\u201cIch bin in die Wohnung gegangen, um mich nach einer Woche im Versteck zu duschen und mich umzuziehen. Ich war allein in der Wohnung, als die Unbekannten begonnen haben, die T\u00fcr aufzubrechen. Ich war sehr erschrocken. Zum Gl\u00fcck konnten sie die Wohnung nicht\u00a0 aufbrechen und sind weggelaufen. Sp\u00e4ter haben die Nachbarn gesagt, dass es Schmuggler waren, die sich als Arbeiter der Versorgungsbetriebe oder territorialen Verteidigung pr\u00e4sentiert haben, um das Haus zu betreten\u201d.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Nach dieser Geschichte beschloss Katerynas Familie, an einen sicheren Ort umzuziehen. Sie haben einen Bef\u00f6rderer gefunden, aber der Bus durfte nicht am Kontrollpunkt nicht weiterfahren. So verbrachten sie eine Nacht an der U-Bahn-Station \u201cTeremky\u201d.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">\u201cWir hatten keine Ausr\u00fcstung daf\u00fcr. Wir haben die ganze Nacht in der U-Bahn ohne Heizung verbracht. Das war k\u00f6rperlich schwer, aber das war nur eine Nacht. Ich kann mir kaum vorstellen, wie es den Mariupolern geht, wenn sie schon seit \u00fcber zwei Wochen so wohnen\u201d, sagt Kateryna.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Jetzt ist sie bei Freunden in Deutschland angekommen. Zusammen haben sie ein Wohlt\u00e4tigkeitsprojekt geschaffen &#8211; den Verkauf von NFT-Zeichnungen. Das gesammelte Geld wird f\u00fcr die Unterst\u00fctzung der ukrainischen Streitkr\u00e4fte verwendet. Auch spricht sie mit Auslandsjournalisten und erz\u00e4hlt ihnen \u00fcber die Situation in der Ukraine, denn sie ist \u00fcberzeugt, dass nur der gesellschaftliche Druck die europ\u00e4ischen Regierungschefs zwingen k\u00f6nne, der Ukraine noch aktiver auf verschiedene Weise zu helfen. Katja sieht sich immer die Fotos und Videos aus dem umzingelten Mariupol an und verliert nicht die Hoffnung, ihre Angeh\u00f6rigen am Leben und unverletzt zu sehen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">\u201cIn der EU zu bleiben, habe ich nicht vor. Ich hoffe, dass ich bald nach Kyjiw zur\u00fcckkommen kann und werde die Ukraine wieder aufbauen\u201d, sagt sie.\u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; \u201cDass unsere Wohnung beschossen wurde und sie ausgebrannt ist, habe ich zuf\u00e4llig aus den Sozialen Netzwerken erfahren. In der Wohnung h\u00e4tte meine Gro\u00dfmutter sein k\u00f6nnen. Wir haben sie gebeten, ins Versteck zu gehen, aber es ist ungewiss, ob sie da im Moment des Angriffs war. Es gibt keine Verbindung mit Angeh\u00f6rigen seit zwei Wochen\u201d, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":28,"featured_media":242473,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[65,596],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.warstoriesukraine.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/243908"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.warstoriesukraine.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.warstoriesukraine.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.warstoriesukraine.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/28"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.warstoriesukraine.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=243908"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.warstoriesukraine.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/243908\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":244837,"href":"https:\/\/www.warstoriesukraine.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/243908\/revisions\/244837"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.warstoriesukraine.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/242473"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.warstoriesukraine.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=243908"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.warstoriesukraine.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=243908"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.warstoriesukraine.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=243908"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}