{"id":245166,"date":"2022-03-22T12:35:13","date_gmt":"2022-03-22T12:35:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.warstoriesukraine.com\/?p=245166"},"modified":"2022-04-17T13:25:18","modified_gmt":"2022-04-17T13:25:18","slug":"ich-habe-meinen-papa-verloren-ich-habe-angst-noch-jemanden-aus-meiner-familie-zu-verlieren-so-sofija-denysenko-25-wasylkiw","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.warstoriesukraine.com\/de\/ich-habe-meinen-papa-verloren-ich-habe-angst-noch-jemanden-aus-meiner-familie-zu-verlieren-so-sofija-denysenko-25-wasylkiw\/","title":{"rendered":"\u201eIch habe meinen Papa verloren. Ich habe Angst, noch jemanden aus meiner Familie zu verlieren\u201c, so Sofija Denysenko, 25, Wasylkiw"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ein Schuss ins Auge. So starb der Vater der 25-j\u00e4hrigen Sofija Denysenko, einer Personalvermittlerin des IT-Unternehmens SoftServe. Sofia lebte zu dem Zeitpunkt in Riwne, und der Krieg holte Sofijas Eltern und andere Verwandte in ihrer Heimatstadt Wasylkiw ein, einer kleinen Stadt in der Oblast Kyjiw. Ihr Vater trat der Territorialverteidigung bei, einer Einheit, die milit\u00e4rische Einrichtungen bewachte. Eines Nachts landeten Raketen auf einem nahe gelegenen Gel\u00e4nde, aber zum Gl\u00fcck \u00fcberlebte ihr Vater. \u201eDamals haben wir uns gefreut&#8220;, erinnert sich Sofija. \u201eEr hat noch so geschrieben: \u201aAus irgendeinem Grund beh\u00fctet mich Gott\u2018.\u201c Aber gleich in der n\u00e4chsten Nacht kam er ums Leben.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Sofija sagt, das sei sehr schnell passiert \u2013 ein Schuss ins Auge. Es gab ein heftiges Feuergefecht, viele Verluste \u2013 bis zu 20 Personen. Zur Beerdigung konnte Sofija nicht kommen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">\u201eMeine Mutter hat mich gebeten, nicht hinzufahren, weil es einfach gef\u00e4hrlich gewesen w\u00e4re. Ich h\u00e4tte nicht durch Kyjiw fahren k\u00f6nnen, sondern die unterschiedlichsten Wege nehmen m\u00fcssen. Und ich h\u00e4tte wahrscheinlich ganz lange gebraucht\u201c, sagt Sofija. <\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-weight: 400;\">\u201eIch habe mich f\u00fcr die Trauerfeier und f\u00fcr die Beerdigung telefonisch verbunden. Meine Mutter hat mich angerufen und mich alles anh\u00f6ren lassen.\u201c<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Sofija hat ihren Vater als einen sehr patriotischen, pro-ukrainischen Mann in Erinnerung, sie sagt, er habe immer ihre falschen Wortakzente korrigiert. Er hatte moderne, europ\u00e4ische Werte, trennte M\u00fcll, sorgte sich um den rationellen Umgang mit Ressourcen, obwohl er ein einfacher Dorfbewohner war, vielleicht auch etwas naiv. Er war auf dem Maidan \u2013 Sofija erinnert sich, wie ihn ihre Familie dorthin wie zum letzten Mal begleitete. Von Zeit zu Zeit brachte er Sofija und ihrem Bruder das Schie\u00dfen bei \u2013 er sagte, eine solche F\u00e4higkeit sei nicht \u00fcberfl\u00fcssig.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">\u201eDamals haben wir keinen wirklichen Wert darauf gelegt. Ein Krieg? Klingt be\u00e4ngstigend! Jetzt verstehen wir, dass einige seiner Ideen, wie z.B. einen Schutzbunker zu bauen und das Schie\u00dfen zu lernen, sehr vern\u00fcnftig waren. Wenn du eine Waffe hast und schie\u00dfen kannst, kannst du das Land verteidigen.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">In den ersten Tagen des russischen Angriffs ging Sofijas Bruder k\u00e4mpfen. Jetzt ist er an vorderster Front. Manchmal antwortet er aufgrund schlechter Verbindung einen ganzen Tag nicht auf die Nachrichten \u2013 f\u00fcr Sofija sind es die schwierigsten Momente.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">\u201eDiese Ungewissheit und Unsicherheit sind sehr traumatisierend. Es ist so ein be\u00e4ngstigendes Gef\u00fchl, den Kontakt zu einer Person zu verlieren, die vielleicht nicht mehr am Leben ist\u201d, sagt sie. \u201eAm meisten habe ich Angst, noch jemanden aus meiner Familie zu verlieren. Das sind die schlimmsten Verluste. Alles andere verblasst einfach und wird irrelevant. Es ist be\u00e4ngstigend, dass du nicht bei diesem Menschen warst, ihm nicht geholfen, ihn nicht gerettet hast oder etwas nicht vorausgesehen hast. Das ist das Schlimmste.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Sofija lebt jetzt mit ihrer Mutter und ihrer Patentante mit deren Kindern, einer Katze und einem Hund und setzt ihre Arbeit fort. Ihr zufolge sei es in Riwne normalerweise ruhig, nur die Alarme heulen. Unternehmer nehmen ihre Arbeit wieder auf, Migranten kommen in die Stadt.<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-weight: 400;\">\u201eAm ersten Tag verursachten die Ger\u00e4usche von Explosionen, selbst weit entfernte, tierischen Schrecken und Taubheit\u201c, erinnert sich Sofija. \u201eEs ist mir unter die Haut gegangen und ich habe viel gezittert. Es war sehr, sehr be\u00e4ngstigend, dass das wirklich passiert und es kein Geschichtslehrbuch ist. Doch wir haben uns angepasst. Jetzt lachen wir sogar ab und zu und lassen uns vom Alltag ablenken.\u201c<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Sofija erhofft sich, Im Laufe ihres Lebens die Ukraine ihrer Tr\u00e4ume zu sehen \u2013 europ\u00e4isch, unabh\u00e4ngig von Russland und Wei\u00dfrussland, dort in Frieden zu leben und dort Kinder zu bekommen.<\/span><\/p>\n<p><i><span style=\"font-weight: 400;\">Aufnahmedatum 15. M\u00e4rz 2022.<\/span><\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"font-weight: 400;\">\u00dcbersetzung: <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Anna Dziuban<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Schuss ins Auge. So starb der Vater der 25-j\u00e4hrigen Sofija Denysenko, einer Personalvermittlerin des IT-Unternehmens SoftServe. Sofia lebte zu dem Zeitpunkt in Riwne, und der Krieg holte Sofijas Eltern und andere Verwandte in ihrer Heimatstadt Wasylkiw ein, einer kleinen Stadt in der Oblast Kyjiw. Ihr Vater trat der Territorialverteidigung bei, einer Einheit, die milit\u00e4rische [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":17,"featured_media":243200,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[171],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.warstoriesukraine.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/245166"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.warstoriesukraine.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.warstoriesukraine.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.warstoriesukraine.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.warstoriesukraine.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=245166"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.warstoriesukraine.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/245166\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":245167,"href":"https:\/\/www.warstoriesukraine.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/245166\/revisions\/245167"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.warstoriesukraine.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/243200"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.warstoriesukraine.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=245166"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.warstoriesukraine.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=245166"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.warstoriesukraine.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=245166"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}